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TIERE IN
Aktion

Sie ist gebürtige Berlinerin, aufgewachsen in Zehlendorf, Ausbildung und Arbeit als medizinisch-technische Assistentin. Mit 40 kündigte Christine Peter ihren sicheren Job. Das war 2002. Heute arbeitet Sie als Fachfrau für Tierbeschäftigung im Zoo Krefeld.

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fundart-21: Wie kamen Sie auf die Idee, mit Affen zu malen?

Christine Peter: Das war ja nicht meine Idee. Denn natürlich kannte ich auch die einschlägigen Malexperimente mit Menschenaffen. Aber da ich auch selbst male, dachte ich, vielleicht, wenn die Affen mögen, wäre das eine schöne Abwechslung für sie. Zum ersten Mal testete ich es in Duisburg. Mit der Orang-Utan-Dame Susi. Und es klappte. Susi malte begeistert.

fundart-21: Kritiker wenden ein, dies sei keine artgerechte Beschäftigung.

Christine Peter: Menschenaffen malen aus freien Stücken. Kein Mensch kann sie dazu zwingen. Deshalb halte ich die Motivierung zum Malen im Rahmen der Beschäftigung für völlig okay. Wie gesagt: Ich muss die Tiere nicht mit Leckereien überreden. Sie malen, weil sie Spaß daran haben. Desmond Morris bezeichnet das als eine Aktion um ihrer selbst willen. Und außerdem: Was heißt artgerecht? Die gesamte Zoo-Situation ist eine künstliche. Jede anregende und für die Tiere kurzweilige Beschäftigung, die über die Grundversorgung hinausgeht, ist zu begrüßen.

fundart-21: Wie müssen wir uns so eine Mal-Session vorstellen?

Christine Peter: Die Mal-Sessions laufen sehr individuell ab. Je nach Charakter und Temperament des Affen. Da lässt sich nur schwer etwas verallgemeinern.

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fundart-21: Sita hat sich das Malen bei einer Tierporträt-Zeichnerin abgeschaut, die ihrerseits im Affenhaus malte.

Christine Peter: Ja, das hat sie. Lernen durch Imitation. Sie kritzelte irgendwann mit kleinen Stöckchen im Rindenmulch. Wir gaben ihr dann Wachsmalstifte. Und sie legte los.

Zur Auswahl hatte sie immer mehrere Farben. Pro Sitzung produzierte sie 30 bis 40 Blätter. Sie malte sehr konzentriert und wie weltvergessen, bekritzelte ein Blatt nach dem anderen, sehr schnell, oft nur mit drei, vier Strichen. Zuweilen zog sie sich auch in den Trenngraben des Außengeheges zurück, um ungestört malen zu können. Dort entstanden sehr interessante Frottage-Arbeiten, da der steinige Untergrund sich durchdrückte und auf das Bild übertragen wurde.

fundart-21: Favorisierte Sita bestimmte Farben?

Christine Peter: Wie alle Affen bevorzugte sie nahrungsnahe Farben: gelb, rot, grün, die Farben von Früchten und Gemüse. Letztendlich malen Menschenaffen aber mit den Farben, die ihnen zur Verfügung gestellt werden.

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fundart-21: Die aktuelle Maler-Generation im Krefelder Zoo heißt Barito.

Christine Peter: Barito ist das erste Männchen, das bei uns malt. Und er ist der Erste, der auf Leinwand arbeitet. Natürlich geht dabei auch der ein oder andere Keilrahmen zu Bruch. Klar, Barito ist ein Youngster, der manchmal nicht weiß, wohin mit seiner Kraft. Das merkt man auch seinen Bildern an. Kraftvoll und dynamisch sind sie.

fundart-21: Und wie läuft Baritos Mal-Session ab?

Christine Peter: Unterschiedlich. Meist stelle ich ihm die Kunststoffflaschen mit den Farben direkt in den Käfig. Er verteilt die Farbe dann auf der Leinwand und beginnt zu malen. Mit Pinsel, Tuch, Schwamm, den Haaren der Unterarme oder mit seinen Fingern. Da ist er sehr kreativ. Einmal hat er fette Farbkleckse auf den Boden gegeben, die Leinwand umgedreht, auf den Boden und in die Farbe gedrückt und sie hin und her bewegt. Ich sag nur: Action-Painting. Zum Schluss will Barito auch immer eine Belohnung. Und wie seinerzeit Sandra zerstört er die Bilder, wenn die Gegenleistung ihm nicht adäquat erscheint.

fundart-21: Wie lange dauert eine Mal-Session?

Christine Peter: In der Regel 45 Minuten. Barito signalisiert auch ganz deutlich, wenn er keine Lust zum Malen hat. In so einem Fall ignoriert er mich, nimmt Keilrahmen auseinander. Es ist auch schon vorgekommen, dass er mich duscht. Dann nimmt er Farbe und Wasser in den Mund, vermischt das Ganze, tja - und dann prustet er mich mit der Ladung gezielt voll.

fundart-21: Sie duschen zurück?

Christine Peter: Nein, es gilt cool zu bleiben: unaufgeregt weggehen und sich umziehen. Sich den Ärger nicht anmerken lassen. Denn das provozierte nur eine Wiederholung.

fundart-21: Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Heinz Hachel - fundart-21 - mit Christine Peter.
Das komplette Interview ist zu finden bei www.affenbrut.de

Bilder: Andrea Klostermann

Bekannt aus:

BILD Düsseldorf
WDR Düsseldorf
Südwest Presse
Ein Herz für Tiere
RTL Nachtjournal
n-tv